Bleib wer du bist!

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Brilliantes Design mit guten Bildern
Carsten sagt Gott kämft

Diese Welt braucht dich. Sie braucht dich, wie du bist. Also: Bleib wer du bist! Du kannst mit deinem Leben etwas verändern. Dafür brauchst du dich meist nicht ändern. So oft bekommen wir eingeredet, dass wir uns groß verändern müssten, dass wir einem Ideal zu entsprechen hätten. Das ist nicht richtig. Carsten und Simon schreiben dir hier als überaus unterschiedliche Persönlichkeiten. Sie erleben, dass Gott sie gebraucht, wie sie sind. In diesem Beitrag lernst du Menschen kennen, die Geschichte geschrieben haben – und unterschiedlicher nicht sein könnten.

Manche Leute sind einfach genial!

Manchmal denke ich (Carsten) von einem Menschen: Mann, der kann ja alles. Talent im Überfluss und brillant auf so vielen verschiedenen Gebieten! Ganz klein kann man sich neben so jemandem fühlen.  All diese Bewunderung macht etwas in uns.

Wer sich ein bisschen für Geschichte interessiert, stößt dauernd auf solche Persönlichkeiten. Schließlich erinnert sich die Geschichte genau an diese und nicht an die Ruhigen und Unauffälligen, oder?

Im Blenheim Palace im englischen Oxfordshire wurde 1874 so ein Mann geboren. Er kam aus dem Hochadel, brachte also die besten Voraussetzungen mit. Damals war die Gesellschaft ja noch etwas anders aufgestellt. Die Hochwohlgeborenen bekamen noch eher als heute den Erfolg in die Wiege gelegt. Das reinste Multitalent war dieser Mann. Bestimmt hätte er es auch heute geschafft: Ein bewegender und mitreißender Redner, der die Menschen motivieren konnte. Er war Anführer in schweren Krisen, der das Volk in Kriegszeiten aufbaute und bei der Stange hielt. Noch dazu war er Schriftsteller mit einem spannenden Schreibstil und – wie könnte es anders sein – auch noch ausgezeichnet mit dem Nobelpreis für Literatur. Maler war er ebenfalls. Gut, das ist nicht das Thema, mit dem er berühmt wurde, aber er bekam durchaus die Anerkennung der Künstler seiner Zeit.

Während des 2. Weltkrieges wurde er britischer Premierminister, nachdem sein Vorgänger den schlechten Kriegsverlauf angekreidet bekam und zurücktreten musste.

Wer weiß schon, von wem hier die Rede ist?

Gemeint ist Sir Winston Churchill.

Dass auch so ein super Typ mal Niederlagen einstecken musste, können wir uns denken. Hören tut man allerdings selten davon. Churchill kam mit der autoritären Erziehung in den Eliteschulen nicht klar und blieb mehrmals sitzen. Später lehnten zwei seiner Angebeteten konkrete Heiratsanträge ab. Erst die Dritte sagte “ja”. Seine politische Karriere kam auch mal ins Stocken. Irgendwie erinnert man sich aber immer wieder an ihn als möglichen Retter in der Not. Auch durchaus zu Recht, wie wir heute wissen.

Es gibt auch andere…

Mitten in den Verhandlungen der Siegermächte in Potsdam nach dem Krieg, vollkommen unerklärlich kam die Wahlniederlage. Verlust des Premierminister-Amtes gegen eine dieser farblosen, öden Figuren, die in Wikipedia mit einem Zwanzigstel der Textlänge abgehandelt wird und die das Geschichtsbuch in einer Fußnote erwähnt.


Churchill bezeichnete diesen Mann als “Schaf im Schafspelz”.

Wenig schmeichelhaft, oder? Dieser Mann, den mir jetzt wahrscheinlich kein Mensch nennen kann… Er hieß Clement Attlee. Als erste Amtshandlung fuhr er die von Churchill übernommenen Potsdamer Verhandlungen mit Russland und Amerika an die Wand. Unerfahrenheit eines Durchschnittsmenschen eben, der das Erbe eines brillanten, massiven Staatsmannes antreten musste.

Attlee war nicht der große Redner wie sein Vorgänger, diktierte keine ausgefeilten Texte der Sekretärin, sondern tippte selbst unbeholfen mit 2 Fingern. Keine rednerische Begabung. Es gibt haufenweise Anekdoten aus dieser Zeit die auf seine unscheinbare Figur hinweisen. Fies muss es für Attlee gewesen sein einen Zeitungsartikel zu lesen der – um dessen Unauffälligkeit zu betonen – mit dem Satz endete: „Dazu wäre es nie gekommen, wenn Attlee noch lebte …“

Der Unscheinbare war genau richtig!

Während seiner Amtszeit zeigte sich aber folgendes: Eine ehrliche, sachliche und weltoffene Art des Mannes wurde deutlich. Er führte Verhandlungen sensibel und rücksichtsvoll, statt Türen einzurennen und mit lauten Forderungen loszupoltern.

Das Programm, mit dem er Wahlkampf gemacht und das er sich vorgenommen hatte, verwirklichte er konsequent und mit Pflichtbewusstsein. Das war ein revolutionäres Programm, nicht sowas wie heute, wo wir kaum etwas von mitkriegen.

Ein Zeitungsreporter schrieb nach fünf Jahren:

„Es ist eine verborgene innere Kraft, die Attlee ganz in sich selbst ruhen lässt. Es ist seine vollkommene Integrität, die es ihm ermöglicht, auf die Beliebtheit bei den Massen, und auf die Anbetung einiger Jünger zu verzichten. Es hat vielleicht nie einen weniger ehrgeizigen Premier in Englands Geschichte gegeben. Das ist sein Geheimnis. Dabei ist Attlee alles andere als eine ängstliche Kompromissnatur. Seit über fünf schweren Jahren steht er als unbestrittener Führer an der Spitze eines Kabinetts, dessen eigenwilligste Minister ihn respektieren und ihn verehren.“

Das klingt nicht mehr nach Schaf im Schafspelz. Da leistet einer großartige Arbeit. Man sieht: Hey, auch wenn ich mich nicht ans Rednerpult traue und lieber im Stillen gute Arbeit leiste, verspricht das Erfolg!

An dem Duo Winston Churchill und Clement Attlee wird deutlich, dass unterschiedliche Persönlichkeiten auf ein und dasselbe Ziel hinarbeiten können. Und es – jeder auf seine Art – erreichen.

Unterschiede sind gut und wichtig.

Unterschiedliche Persönlichkeiten ziehen sich durch die gesamte Geschichte der Menschheit. Hin und wieder werden andere Schwerpunkte in der Gesellschaft wichtig. Zu mancher Zeit waren es die großen Feldherren und Generäle, die berühmt wurden. In anderen Jahren zählten mehr die klugen Köpfe und strategischen Denker.

Auch in der Bibel begegne ich (Simon) unterschiedlichsten Persönlichkeiten. Manchmal begreift man erst auf den zweiten oder dritten Blick, was die einzelnen Leute auszeichnete.

Ist dir bewusst, das der große Prophet Mose kein großer Redner war? Die meisten seiner Reden hat er selbst vielleicht angedacht, sie wurden aber von seinem Bruder Aaron gehalten. Nur gemeinsam konnten sie das Volk von der Sache Gottes überzeugen.

Noch spannender wird es bei zwei anderen Typen, die die Kirchenlandschaft von heute massiv geprägt haben: Paulus und Petrus. Unterschiedlicher wie diese zwei konnte man kaum sein.

Der eine war ein Macher.

Petrus war Unternehmer, Handwerker – ein echter Macher. Die ganzen Studien und Lektüren, die Jugendliche in der damaligen Zeit betrieben, waren offensichtlich nichts für ihn. Man erkennt es deutlich, dass er sich eben nicht um den Platz als Jünger eines Rabbis bewirbt. Er sitzt nicht bereit und wartet auf einen Lehrer, vorbeizukommen.1 Petrus ist bei der Arbeit, als Jesus kommt. Er hat mit theologischer Bildung und geistlichem Wachstum eigentlich abgeschlossen. Nur ein echtes Wunder, etwas Unglaubliches und Übernatürliches kann ihn von seinem Weg abbringen.2

Bleib wer du bist macher

Petrus war ein Mann, der sofort handelte. Manchmal dachte er wohl nicht viel und handelte erst. So schlägt er einem Soldaten ein Ohr ab, ohne an weitere Konsequenzen zu denken. Dass alle Jünger bei der Aktion hätten sterben können, kommt ihn nicht in den Sinn. Er ist ein Mann der großen Worte und der überzeugenden Taten. Nachdem Gott die Speisevorschriften außer Kraft setzt, kann Petrus kaum noch genug von sämtlichen Genüssen bekommen.

Der andere war mehr Denker.

Paulus hingegen war eher das Gegenteil. Er war ein Gelehrter durch und durch. Jahrelang studierte er alles, was man irgendwie lesen konnte. Aus seinen Werken geht ein umfassendes Wissen über Philosophie und Theologie der damaligen Zeit hervor. Er war so einer, der schon mit 14 Jahren das ganze Alte Testament auswendig konnte. Auf hebräisch.

Bleib wer du bist Denker

Paulus’ Stärke lag aber deutlich in seinen Überlegungen. Ein begabter und fesselnder Prediger war er sicher nicht. Eines Tages schlief ein junger Mann bei seiner Predigt ein und kam dadurch ums Leben.3 Paulus war als ruhiger und friedlicher Mensch bekannt. Seine Schriftsprache und Deutlichkeit beschränkte er auf eben dieses Medium: Seine Briefe. Wenn er mit Menschen persönlich zusammen saß, lag seine Priorität auf der persönlichen Beziehung, auf Friedfertigkeit und Nächstenliebe.4

Zwei Unterschiedliche bewegen die Welt!

Petrus war derjenige, der erst handelte und dann überlegte. Ihm war es nicht das Wichtigste, was Leute über ihn dachten. Manchmal lehnte er sich sogar etwas zu weit aus dem Fenster.5 Paulus war mehr der Denker. Er achtete darauf, von allen verstanden zu werden.

Beide prägten die Geschichte der Kirche und die Geschichte der gesamten westlichen Welt. Beide waren richtig, so wie sie waren. Keiner von ihnen musste oder sollte sich in den wesentlichen Persönlichkeitszügen verbiegen. Sie wurden gebraucht, wie sie waren.

Deine Aufgabe: Bleib wie du bist!

Die Frage ist doch heute an uns: Ist uns denn klar, dass wir mit unseren unterschiedlichen Persönlichkeiten und Fähigkeiten alle gleich gute Arbeit leisten können? Wissen wir, dass wir alle wertvoll und gleichsam geliebt sind? Dass wir alle gebraucht werden? Ist uns bewusst, dass mancher Persönlichkeitszug gewollt ist – und wir nicht irgendeinem eigenen Fehler heraus so wurden, wie wir sind?

Wir bewundern zu Recht die großen Redner und tollen Typen, gerade dann, wenn wir die Stillen, Unscheinbaren sind.

Aus eigener Erfahrung möchten wir dir sagen: Es ist wichtig, dass du dir seinen Wert zusprechen lässt. Mache dir klar: Deine Fähigkeiten und deine Persönlichkeit sind richtig und wichtig! Lass bestimmte Fähigkeiten anderer nicht so toll aussehen, dass deine eigenen total untergehen und dir plötzlich minderwertig erscheinen. Das lässt sehr passiv werden…

Ich (Carsten) habe z.B. schon in der Schulzeit Magenschmerzen vor Referaten gehabt und so gut wie keine mündliche Beteiligung gezeigt. Auch nicht in Englisch, wo ich schriftlich auf 1 stand. Ganz schlecht sah es aus mit dem Sport. Gut, das macht mir gar nichts aus, denn da fehlte und fehlt mir noch heute jeder Ehrgeiz. Es stört mich überhaupt nicht, unsportlich zu sein. Wandern reicht.

Gut reden zu können und sich in den Mittelpunkt zu stellen, das war für mich irgendwie was, das ich für äußerst wichtig gehalten habe. Dann zieht es einen natürlich richtig runter, wenn das mit den Jahren schlechter, anstatt besser wird.

Absurderweise war dies der Fall bei mir, bis mein Englischlehrer in der Oberstufe mich regelmäßig aber erfolglos zu 4-Augen-Gesprächen bat. Es ging immer schief, weil ich partout nicht bereit war, persönliche Gründe für irgendetwas preiszugeben.

Wieso kann ich heute darüber lachen, obwohl dieses sichere und felsenfeste Auftreten unter anderen Menschen, das ich für das Wesentliche gehalten habe, noch immer nicht meine super starke Seite ist? Obwohl Churchills berühmtes Motto „No sports!!“ noch immer auch mein Motto ist?

Es geht um deine Komfortzone.

Der Trick ist wohl, ab und zu – eigentlich nur in ganz wenigen Ausnahmefällen – über den eigenen Schatten zu springen, statt sich der Resignation hinzugeben.

Mit den Jahren habe ich (Simon) eines bemerkt: Wachstum geschieht außerhalb meiner Komfortzone. Petrus konnte einen großen Schritt seines Lebens gehen, als er all sein Anglerlatein beiseite schob und auf einen fachfremden Wanderprediger hörte. Er erlebte den größten Fischfang seines Lebens. Manchmal geht es nunmal darum, dass wir etwas tun, was überhaupt nicht unseren Stärken entspricht. Atlee hat Reden gehalten. Churchill hat sich in Verhandlungen versucht. Paulus hat sich auf Reisen über den ganzen Kontinent begeben.

Es ist nicht zufriedenstellend, sich einzureden, dass manches eben so ist, wie es ist. Ganz schnell sitzt du halt nur dabei, ohne dass etwas passiert. Zufriedenstellend ist das aber nicht. Es ist eben nur ein Dabei-Sitzen.

Einen oder zwei Schritte weiter kommst du nicht, indem du deine Persönlichkeit veränderst. Du kommst weiter, wenn du das tust, was dran ist – auch wenn es dir nicht gefällt.

Lass dich motivieren.

Motivierung ist dabei garantiert ein wichtiges Thema. Dass Leute, die dir wichtig sind, etwas sagen dürfen: “Willst du nicht dies oder das probieren? Könnte nicht dieses oder jenes was für dich sein?” Pass auf, dass deine Antwort darauf nicht automatisch immer „Nö“ lautet. Gerade dann, wenn du Unsicherheit verspürst. Dein Selbstbewusstsein steigt, wenn du “Ja” sagst und etwas ausprobierst.

Dazu was von mir (Carsten): Mein Jugendpastor gab im Gottesdienst einst den Ansporn doch mal zu überlegen, wer von den nicht ganz so jungen Menschen noch für eine Taufe fällig wäre. Meine Schwester kam am gleichen Tag zu mir mit der Frage: „Fühlst du dich nicht angesprochen?“ Da war es plötzlich ganz natürlich, zum Taufseminar zu gehen, wo die anderen alle 15 Jahre jünger waren. Dass bei der Taufe tatsächlich ein veränderter Mensch wieder auftaucht, darauf lasse ich mich gerne jederzeit ansprechen.

Jetzt ist das Thema aber ein Anderes und ich will damit nur ermutigen, einfach was zu wagen, von dem du keine Ahnung hast, ob es dir entspricht. Nach einer guten Erfahrung fällt die Wiederholung leicht.

Fehler sind erlaupt!

Natürlich steht eines fest: Nicht jeder Versuch glückt. Es ist vollkommen erlaubt, sich wieder zurückzuziehen, wenn man lange genug gegen eine Wand gerannt ist. Viele Leute sind über Umwege zu verschiedenen Aufgaben im Reich Gottes gekommen. Gut sind die Aufgaben dann für dich, wenn du nicht nicht verstellen brauchst. Meist beginnen sie damit, dass dir jemand etwas zutraut.


Offensichtlich kennen Menschen, die uns nahestehen, unsere Neigungen und Fähigkeiten oft besser als wir selbst.

Unsere Schwachpunkte sind noch da. Manche Wünsche an Fähigkeiten gehen nie in Erfüllung. Mit einigen persönlichen Grenzen müssen wir unser Leben lang zurecht kommen. Das ist gut so. Du kannst deine eigenen Schwächen kennen, brauchst vor ihnen aber nicht zu kapitulieren. Churchill hätte dazu gesagt: „We will fight on the beaches, but we will never surrender!“

Wir sind keine Einzelkämpfer in dieser Welt sondern Teil einer großartigen Sache. Ein solches Teil wollen wir sein, nicht diejenigen, die alles können und tun.

Entdecke deine Stärken und Fähigkeiten. So kommst du aus einem passiven Lebensstil heraus. Du musst dich nicht groß verändern. Du hast alles, was du brauchst, schon längst bekommen. Es steckt in dir. Es führt dich in die Richtung, die der Allmächtige für dich angedacht hat.

Weitere Lebenskünstler Einheiten:

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  1. So taten es die jungen Leute damals. Sie lernten erst die Heiligen Schriften auswendig und suchten dann von einem Rabbi in die Schule genommen zu werden.
  2. Schau mal in Lukas 5,1-11
  3. Kannst du in Apostelgeschichte 20 nachlesen.
  4. Sch mal in 2. Korinther 10ff, dort findest du die Argumentation von Paulus, warum er in seinen Briefen scharf, in persönlichen Begegnungen aber freundlich und zuvorkommend war.
  5. Das kannst du in Galater 2,11ff finden.

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