Corona Tagebuch vom Digital-Native Pastor

Ungefähre Lesezeit: 22 Minuten

Was macht eigentlich ein Digital-Native Pastor, wenn es wegen Corona plötzlich keine Treffen mehr in der Gemeinde gibt? Plötzlich ging alles sehr schnell. Von jetzt auf gleich waren unzählige Termine abgesagt. Ich wundere mich allerdings, warum einige plötzlich im Urlaubsmodus landen. Dieses Gefühl kam auch bei mir, da will ich ehrlich sein. Es währte aber nur wenige Minuten…

Vorbemerkung

Dieser Text handelt von zwei Wochen. Er ist auch in zwei Wochen Stück für Stück entstanden – als persönliches Tagebuch mit der Idee zur Veröffentlichung.1 Ich2 veröffentliche ihn nun mit wenigen Verbesserungen3 – so wie er ist – als Inspiration, Hilfestellung, Blick in mein Leben und Ausblick für eine Generation von Pastoren, die aktuell in den Startlöchern steht.

Natürlich ist das hier kein stundengenaues Tagebuch. Als Pastor gibt es viele Dinge, die der Verschwiegenheit unterliegen und hier maximal angedeutet werden können. Auch will ich hier keinen transparenten Stundenzettel veröffentlichen, der irgendetwas rechtfertigt. Das braucht es auch nicht, wenn die vergangenen Wochen weit jenseits der 80 Arbeitsstunden waren. Selbst das schreibe ich aber nicht, um zu klagen oder Aufmerksamkeit zu erlangen. Es geht um Information, weniger um Emotion… Pastorendasein macht Spaß! Ich liebe meine Berufung! Es ist der schönste Beruf der Welt!!!

Eines ist es, von dem ich denke, dass es mich besonders auszeichnet: Ich bin zehn Jahre im Pastorendienst und sehe mich gleichzeitig als Digital-Native Pastor. Bin also einer derjenigen, die aktuell viel umsetzen können, ganz im sicheren Fahrwasser treiben…

Zuletzt: Dieser Beitrag enthält Affiliate Links. Sofern ich zu anderen Anbietern verlinke, können da Verknüpfungen zu meiner Person (nicht zu deiner) vorhanden sein, durch die ich eine kleine Verkaufsprovision bekomme. Du zahlst aber nicht mehr!!! Eher findest du gute Angebote und kannst Geld sparen. Also: Dieser Beitrag enthält WERBUNG.

Samstag, 14. März – 09:00 Uhr.

Als ich meinen Computer starte, traue ich meinen Augen kaum. Eigentlich war es ja logisch, abzusehen, vollkommen zu erwarten. Trotzdem ist die Wucht, mit der die Nachrichten nun kommen, ein Stück weit erschlagend.

Gestern hatten wir schon mit großer Spannung die Pressekonferenz vom Land Hessen abgewartet. Sollten tatsächlich die Schulen ausgesetzt werden, hätte das weitreichende Konsequenzen für unsere Arbeit… Am Freitag hatten wir dann direkt den Teenkreis ausfallen lassen. Was am Samstag früh aber alles auf der Agenda stand, hätte ich mir nicht träumen lassen: 

Die Jesus House Woche, in der ich als Evangelist tätig sein sollte, ist verschoben. Drei kurzfristige Gottesdienste, in denen ich predigten sollte, sind abgesagt. Ebenso einige Seminare und andere Termine. Das ist nicht nur schade, das bedeutet auch Geldeinbußen.

Um 17:00 Uhr treffen wir uns als Leitungskreis. An dieser Stelle können natürlich keine Interna benannt werden, nur soviel: Unser Haus ist ab sofort nicht mehr öffentlich und die Fortführung jeglicher Angebote für Kinder- und Jugendarbeit ist untersagt. Bäm! Alles aus, von jetzt auf gleich. Zig Stunden der Vorbereitung und Werbung für die Katz. Frust macht sich breit…

Kurzum: Mindestens 150 Zeitstunden, die ich in den nächsten zwei bis drei Wochen gefüllt hatte, fallen weg. Innerhalb der drei Wochen wäre ich ja alleine schon über 50 Stunden in unserem Gemeindehaus präsent gewesen…

21:45 Uhr: Unsere Teenager sind mit der Gesamtsituation unzufrieden. Sie möchten wenigstens den Biblischen Unterricht fortführen, über eine Videolösung. Also mache ich mich auf die Suche nach verschiedenen Möglichkeiten. Video geht ja eigentlich schon über Insta oder Skype. Aber wirklicher Unterricht? Mit Material uns so? Da braucht es härtere Geschütze.

Sonntag, 01:55 Uhr.

Eine Lösung ist gefunden. Die Software “Zoom” beinhaltet alles, was wir brauchen. Es war eine intensive – aber fruchtbringende Recherche. Alternativen gibt es viele am Markt. Sie alle kosten Geld. Viel Geld, wenn man auf Spenden angewiesen ist. Zoom bietet immerhin den großen Vorteil, dass man als kostenloser Nutzer auch kurze Videokonferenzen führen kann.

Über die App kann ich digitalen Unterricht mit wenig Aufwand durchführen, die App gibt es sowohl für PC, Mac, als auch Smartphones und Tablets. Man kann Bildschirme teilen, zum Beispiel eine Bibelsoftware und Notizen gemeinsam bearbeiten. Am wichtigsten: Mit dieser App können wir JesusHouse per Livekonferenz verfolgen. Kann ich das umsetzen? Ja sicher, deswegen nenne ich mich Digital-Native Pastor. Kann ich es wirklich umsetzen? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Anspannung macht sich breit.

Spannend wird sicher die Frage, wie lange die Leitungen bei uns im Dorf den hohen Datenmengen standhalten können. Das zeigt sich aber erst, wenn das ganze Land im HomeOffice arbeitet…

Ein neuer Morgen.

Ich liege im Bett. Mein Kopf dreht sich. Tausend Ideen rasen von einem Ohr zum anderen, prallen gegen die Stirn und wieder zurück. Wie könnte man welche Kamera einbinden? Wo bekomme ich Equipment her? Besonders so schnell, bis JesusHouse beginnt? Wie funktioniert das mit einem YouTube Livestream? Was werden meine Aufgaben in den kommenden Wochen sein? Behalte ich eine geistige Substanz oder wird es nur um Technik gehen? Das wäre dramatisch.

Nun ist es 10:00 Uhr. Die Nacht war kurz, der Schlaf gering. Tausend Gedanken gehen mir noch immer durch den Kopf. Was könnte man wie einrichten? Wie wird es wohl ankommen? Funktioniert das technisch alles? Auch bei uns aufm Dorf?

Ich fahre ins Gemeindehaus. Kein Mensch ist da. Normalerweise tobt hier sonntags das pure Leben. Es ist ein komisches Gefühl. Also mache ich schnell, raffe unser Videoequipment und einige grundlegende Tontechnik beisammen und sehe zu, dass ich schnell wieder in meine sichere Wohnung komme. Schon interessant, dass man plötzlich aus Angst handelt, die vollkommen unbegründet ist…

Sonntag, 15. März – 16:00 Uhr

Alles ist aufgebaut. YouTube sagt mir aber, dass es eine Wartefrist von 24 Stunden gibt, bis man streamen kann. Dann erst kann ich diese Software namens OBS ausprobieren. Habe sie gerade installiert. Scheint nicht so kompliziert zu sein. Also heißt es warten. Blöd nur, dass in 26 Stunden schon der erste Stream beginnen soll. Ich bin gespannt…

Montag, 09:00 Uhr

Eigentlich wäre heute der freie Tag. Eigentlich wäre ja aber auch JesusHouse Aufbau. Also nix frei und mehr Technik. Ich lese mich mal ein, in die verschiedenen Möglichkeiten.

Der Plan ist mittlerweile, für JesusHouse eine Videokonferenz anzubieten, die dann live per YouTube übertragen wird.

————————

Zwischenbemerkung: Grade war ich einkaufen. Es ist kaum zu glauben… Nicht nur ist das Klopapier alle, Spagetti und Dosentomaten restlos ausverkauft, nein: Heute gibt es auch kein Gemüse mehr im Laden. Die Verkäuferin zeigt deutliche Schweißperlen auf der Stirn, freut sich aber, dass ich nur schnell einige Zutaten für eine kleine Nudelpfanne besorge. Warum sollte ich auch weiter hamstern4, wenn der Laden fünf Fußwegminuten weit weg ist?

————————

Interessant werden zu allen Nachrichten noch die Verlautbarungen unserer Regierung. Gottesdienste sollen untersagt werden. Werde ich tatsächlich wegen einem Virus so derart in meinen verfassungsgarantierten Grundrechten beschnitten? Da möchte ehrlich gestehen: “So weit habe ich es mir nicht erträumt.” Mein ganzes Leben dachte ich, es müsse erst eine der radikalen Parteien an die Macht kommen, bis mir so etwas passiert. Ob das schon alles ist? Mein Bauch sagt mir, dass im geistlichen Raum gerade Türen geöffnet werden, die für lange Zeit nicht verschlossen werden können…

Montag, 18:00 Uhr

Der Stream läuft. Technisch aber alles andere als gut. Der Ton ist miserabel, meine Kopfhörer machen so üble Geräusche, dass es für zwei Stunden nie wieder auszuhalten ist. Außerdem ist der Ton überhaupt nicht synchron zum Video. Grausam.

Wir genießen gemeinsam den Mitarbeiterabend von JesusHouse. Es scheint gut zu werden. Die Impulse passen, das Format ist geeignet. Die spontanen Änderungen und ein gewisser Fokus auf Corona gefällt mir aber überhaupt nicht. Kann mich davon aber selbst nicht freimachen, gefühlt geht jeder zweite Spruch von mir irgendwie in die Richtung…

Nach dem Stream muss ich mal einige Nachrichten lesen und bearbeiten. Es sind bereits dreistellige Zahlen von Mails, die warten…

Dienstag, 17. März – 09:00 Uhr

Der Tag beginnt. Was habe ich ein Glück, als Pastor zu arbeiten. Wie gut, dass ein Digital-Native Pastor auf allen Ebenen zu greifen ist. Es gibt für mich tatsächlich noch soziale Kontakte. Wie gut es tut, zwischendurch mal ein wenig Seelsorge zu betreiben. – Die ist allerdings geheim, so dass ich in meinem gesamten “Tagebuch” nur hier, ein einziges Mal darauf hinweise, dass Seelsorge selbstverständlich ohne jegliche Beschränkung weiter läuft…

Dienstag, 12:00 Uhr

Mir kam in der Nacht die zündende Idee. Als ich um drei noch immer nicht schlafen konnte, war die Erlösung plötzlich da. Wir haben ein kleines Mischpult, welches für Livekonferenzen verschiedene Tonquellen auf verschiedene Ausgänge schalten kann – und per USB direkt mit dem PC agieren kann. Also ab in die Gemeinde. Mischpult holen, weitere Mikros besorgen und schnell noch den Ton zum laufen bekommen.

Dienstag, 14:00 Uhr

Den digitalen Biblischen Unterricht verschieben wir nochmal, damit wir uns voll auf JesusHouse vorbereiten können.5 Dafür gibt es jetzt aber gewisse Zeiten, um die Streammöglichkeit zu testen. Hoffentlich schaut mir keiner zu. Die ersten Versuche habe ich natürlich direkt wieder gelöscht, trotzdem haben sich ein oder zwei dazugeklickt, ich hoffe, das war nicht zu verschreckend… Wusstest du schon, dass man ziemlich auf Ordnung achten muss, wenn die Wohnung quasi ganztägig live online zu sehen ist? Von meinem YouTube-Kanal (ich sagte ja, Digital-Native Pastor) kenne ich dieses Phänomen, mache ja aber normalerweise nur ein Video pro Woche.

Dienstag, 18:00 Uhr.

Es läuft. Wir sind online. Also fast. Die ersten zwanzig Minuten vom Stream – finde ich später heraus – vergaß ich eine Taste am Mischpult zu drücken. Bis da war der Ton echt nervig. Danach war aber alles wie gewollt. Das endgültige Ergebnis kann ich ja erst im Nachhinein beurteilen. Natürlich könnte man hier und da noch einiges verbessern, da braucht es aber auch noch Investitionen im hohen dreistelligen Bereich. Davon lassen wir ab.

Ich bin gerade unglaublich dankbar für meine Gemeinde. Dankbar, dass wir Ressourcen und Material haben. Alles hätte ich bis heute Abend weder anschaffen können, noch die Anschaffungspreise rechtfertigen können. Das meiste war aber einfach vorhanden. Klasse! 

19:45 Uhr. Der Livestream ist vorbei, erster Abend von JesusHouse gelaufen. Als Ewersbacher haben wir gute 50 Leute erreicht, das ist schön. Es war ein steiler Prozess bis zu diesem Moment, alleine die verschiedenen Tests bedeuteten viele Stunden mit einer Kamera zu reden. Komisches Gefühl. Jemand, der 40 Wochenstunden arbeitet, hätte jetzt sein Pensum erfüllt. Aber wir wollen mehr. Wir wollen weiter… Schlaf ist zwischendurch allerdings auch wichtig…

Mittwoch, 10:00 Uhr.

Die Pastoren treffen sich zur Lagebesprechung. Seit heute ist auch unser Praktikant dabei. 

(Klammer auf: Neben der Seelsorge ist natürlich auch der Praktikant eine interne Geschichte, die nicht auf meinen privaten Blog gehört… Datenschutz und so… Das müssen einige, die sich heute als Digital-Native Pastor oder so bezeichnen, unbedingt noch lernen… Klammer zu.)

Was können wir tun?

Eigene Livestreams anbieten? Noch mehr technische Herausforderungen? Oder gibt es Alternativen? Besonders für Offline-Christen, die das Wort YouTube nicht mal vom Hörensagen kennen?

Wir diskutieren die Möglichkeit von vorproduzierten Videoandachten, einem Corona-Sondergemeindebrief und kommen am Ende auf eine Idee, die eigentlich auf der Hand liegt: 

Wir starten einen FeG-Ewersbach Blog. Tagtäglich kleine Impulse zum Leben ohne Treffen, zum Christsein ohne Anwesenheit im Gottesdienst.

Also heißt es für den Rest des Tages: Programmieren, Texte schreiben, Grafiken designen. Fünf Beiträge schaffe ich, bis am Abend dann der JesusHouse Stream losgeht.

Mittlerweile fühlt es sich schon sehr gewohnt an, die Teenager vor der Kamera zu sehen. Manche erste Allüren, ob die Haare richtig sitzen und der Bart gerade ist, sind längst vergessen. Auch die Jogginghose stellt kein Problem mehr da, haben wir schließlich nicht die Kontrolle über unser Leben verloren – sie wurde uns genommen.

Privatleben

Nachmittags bekamich kurz Besuch auf einen Kaffee. Es tat gut, Menschen zu sehen, auch wenn die Stühle mittlerweile mit weitem Abstand um den Tisch herum stehen.

Abend traf ich mich mit einem Freund. Er hatte kein Klopapier mehr und kam auf Grund seiner Arbeit erst spät in den Supermarkt. Also keine Chance, für die nächsten Tage ohne Waschlappen auszukommen. Mein Glück als Pastor: Ich kann meine Zeit frei einteilen. Also ging ich am Nachmittag fix für ihn Klopapier kaufen. Hatte mir auch direkt nen ganzen Fleischkäse mitgebracht. :D

Es tut gut, Menschen zu sehen. Mein achter Sozialkontakt für diese Woche. (Normalerweise habe ich am Mittwoch Abend ca. 120 Sozialkontakte hinter mir, also Begegnungen mit realen Menschen, die ich nicht nur im vorübergehen gesehen habe…) Durchschnittliche Lehrer einer durchschnittlichen Schule wären hier übrigens schnell im vierstelligen Bereich…

Manche Dinge ändern sich auch durch Digitalisierung und als Digital-Native Pastor nicht. Kontakt bleibt Kontakt, Beziehung bleibt Beziehung, Gemeinschaft bleibt Gemeinschaft – alles das geht übers Internet nur bruchstückhaft!

Simon Birr

Muddi sprach heute zu uns. Es ist ernst, also nehme ich es auch ernst! Ich nehme mir vor, meine skeptischen Überlegungen für mich zu behalten. Wenn unser Land in diese Richtung geht, wenn Frau Merkel diese Richtung empfiehlt, glaube ich ihr. Von Grund auf lebe ich eine kritische Einstellung zur Welt und ihren Vorgängen. Das hat mit meinem Glauben zu tun. In der Endzeit sind wir aber auch noch nicht angekommen. Ein wenig gechillt bleiben scheint mir angebracht…

Donnerstag

Langsam kommt ein wenig Bewegung aus unserer Gemeinde ins Spiel. Schockstarre scheint für die meisten mittlerweile überwunden. Die kurzen Impulse werden gut angenommen und erste Rückmeldungen bzw. Vorschläge für Beiträge trudeln ein. Gerne nehme ich fast alle Anregungen auf und unterstütze damit unsere digitale Gemeinschaft. Es ist genial, wie Leute mitdenken, Ideen liefern und die anderen im Blick haben.

Der JesusHouse Stream läuft abends natürlich weiter. Ich bekomme sogar ein Bild, wie ich bei Leuten im Dorf auf dem Fernseher zu sehen bin. Wieder so unwirklich, absolut unnormal… Natürlich ist das alles nichts Neues. Mein YouTube Kanal besteht ja seit vielen Monaten schon. Auch war ich im Fernsehen und habe mein Gesicht auf sehr großen Leinwänden gesehen. Es fühlt sich trotzdem komisch an.

Mein Anliegen war es nie und wird es nie sein, eine große Berühmtheit zu werden. Alles ist nur Mittel zum Zweck! Ich stehe nicht auf Autogramme und Selfies, mag nicht mal gern meinen eigenen Geburtstag feiern. Von mir aus dürften gerne andere im Mittelpunkt stehen, aber wo nimmt man so schnell andere her, die sich vollkommen schmerzfrei vor eine Kamera setzen und nicht nur Stuss von sich geben? Zielt die Bezeichnung Digital-Native Pastor eigentlich daraufhin ab, dass man berühmt werden will? Mir wurde da schonmal zu einer Aussage das Wort im Munde rumgedreht. Daher nochmal klar:

Es geht nicht um mich! Es geht um Fähigkeiten, die Möglichkeiten öffnen…

Simon Birr

Freitag

Heute Vormittag gab es ein wenig Zeit für mich. Das musste auch mal wieder sein. Wie sieht “Zeit für mich” aber für einen Digital-Native Pastor gerade aus? Bad putzen, Wäsche waschen, Blogartikel schreiben und so weiter.
Morgen wird es nochmal hektisch weitergehen, die Wohlfühlatmosphäre steigt aber stetig an. Heute höre ich konkret und mehrfach das Wort “Ausgangssperre”. Ob der Corona-Virus uns tatsächlich so weit bringen wird? Heißt das tatsächlich, ich darf in wenigen Tagen nicht mehr die Bäume in meinem geliebten Wald sehen?

Als neues altes Kommunikationsmedium entdecke ich das Telefon immer wieder neu. Sogar Gebet funktioniert per Telefon. Habe ich diese Woche nicht zum ersten Mal gemacht, möchte ich aber mal betonen…

Samstag 21. März – 10:00 Uhr

Gerade kam ein neues Mikrofon für Videoproduktionen. Ein Rode NTG4. Der Kauf war keine leichte Entscheidung. Zweihundert Euro sind für mich viel Geld. Der Ton auf Videos ist aber das A und O. Bild kann schlecht sein. Auch das Aussehen der Protagonisten muss nicht sofort nach Hollywood passen. Der Ton soll aber sauber, verständlich und vielmehr noch ohne jegliche Störgeräusche rüberkommen. Sonst versteht kein Mensch, worum es geht…

Schnell ist also klar, was heute auf dem Programm steht: Mikro testen, erste Aufnahmen machen und dann die richtigen Einstellungen für Vorproduzierte Produktionen finden. So können wir dann in der kommenden Woche ordentliche Videos produzieren.6

Ein Zwischenfazit ist ernüchternd.

Wir haben 23:30 Uhr. Der Blick auf das vorhandene Equipment zeigt: Eigentlich bräuchte ich noch viel mehr. Zum einen ne andere Kamera. Meine kleine Sony 5100 gibt jedesmal nach 12 Minuten den Geist auf, weil sie überhitzt. Die Nikon kann man nur vernünftig gebrauchen, wenn man manuell fokussiert. Beides also gewisse Handicaps, mit denen man aber hoffentlich arbeiten kann. Geld ausgeben kann ich derzeit nicht, weil für die Zukunft zunächst Ton auf dem Programm steht. Im größten Notfall gibt es noch eine 4k Cam aus der Gemeinde, die schafft aber keine wirklich schöne Hintergrundunschärfe… Will mir nicht zufällig jemand noch eine Sony 6400 spendieren? Zum anderen brauche ich ein ordentliches Interface. Das Mikro macht einen Mordssound, leider rauscht aber das Mischpult noch zu sehr. Sicher werdet ihr in wenigen Tagen noch von einem weiteren Spontankauf lesen.

Sonntag, 09:30 Uhr.

Warum muss man sich so früh zur Arbeit quälen, wenn alle anderen Homeoffice starten und die Gemeinde zu hat?

Ein Kindergottesdienst ist online! Über verschiedene Medien haben wir von einem Angebot aus Karlsruhe erfahren. In heutigen Zeiten mit Corona geht alles sehr schnell. Die Angebote sprießen überall. Das ist super! Trotzdem nehme ich mir als Pastor heraus, erst selbst etwas kennenzulernen und es dann unseren Kindern zu präsentieren.

Kurz danach, um 10:30 Uhr beginnt der Live-Gottesdienst mit der Allianz Mission. Zunächst wundere ich mich, sehe ich vorproduzierte Videos über Migrantenarbeit. Da habe ich wohl auf den falschen Link geklickt. Plötzlich bin ich mitten drin, im altbekannten Frühstücksraum, der nun als Gottesdienst- und Kommunikationszentrale dient. Das habt ihr wirklich toll gemacht, ihr Lieben! Danke dafür!!!

Nun reicht es aber dann langsam auch. Ein Pastor ist leider keine so gute Maschine, wie er manchmal gerne sein würde. Also Feierabend. Wochenende. Ab in die Natur…

Sonntagabend – Kontaktverbot!

Zwei Personen Maximum. Keine Ausgangssperre! Was können wir froh sein. Aktuell bin ich im Feierabendmodus, nehme diese Info erstmal persönlich wahr und freue mich über qualitative und nicht quantitative Freundschaften. Was hier passiert ist aber tatsächlich krass und megakrass! Beschneidungen der Grundrechte. Massiv. Verfassung kann mich mal… Ich vertraue! Ich vertraue Jesus und ich vertraue Muddi! Sie wurde ja – nach meinem Verständnis – von Jesus an ihren Platz gestellt. Das ist alles wirklich krass. Jetzt grade auch für mich ok. Wird schon zu überleben sein. Auch, das möchte ich ehrlich sagen, wenn meine finanziellen Zuläufe aktuell rückläufig sind. Fahrtkosten pro Kilometer schließen nicht umsonst die laufenden Kosten für ein Auto ein, die am Ende stehenbleiben, wenn man die Fahrtkosten für einen Kilometer nicht abrechnet…

Montag

Sechs Tage sollst du arbeiten, am siebsten Tag sollst du ruhen, sagte mein Gott einmal. Ein freier Tag war mir schon seit ich als Pastor anfing, heilig. Montags möchte ich nicht mal eben schnell etwas erledigen müssen. Der Tag ist frei. Punkt. Das betone ich hier ganz besonders, weil vergangene Woche JesusHouse war, also kein frei. Der Tag wird aber schnellstmöglich noch nachgeholt…

Hast du einen freien Tag? Sonst richte dir einen ein! Vielleicht hast du gerade in Corona-Zeiten beste Möglichkeiten dazu, neue Gewohnheiten einzuüben?

Dienstag

09:00 Uhr

Heute geht es wieder los. Ab heute wartet ein knallharter Alltag auf mich, in dem viele Dinge gestrichen wurden. Weiter oben schrieb ich von 150 gestrichenen Zeitstunden. Die sind zwar mittlerweile längst aufgeholt, was nun kommt, bleibt aber unsicher.

Nach dem typischen Orgakram und vielen, vielen, vielen Mails – nur etwa die Hälfte habe ich bearbeiten können – mache ich mich an die Vorbereitung vom Biblischen Unterricht. Den schüttelt man auch nach zehn Dienstjahren nicht einfach aus dem Ärmel… Werde genau rechtzeitig fertig, so dass wir uns in der Videokonferenz treffen können.

Biblischer Unterricht als Videokonferenz

Es ist ein spannendes Format. Hatte am Anfang schon mal direkt die Überlegung, ob wir da einen Livestream machen können, der anderen Pastoren dann erklärt, wie man BU per Konferenz macht. Die meisten bräuchten aber zunächst Anleitung, um die Konferenz überhaupt zu starten… Mal sehen, vielleicht in den kommenden Wochen.
Wir haben uns mit Habakuk beschäftigt. Zwischendurch war der Altas der Logos-Bibel Software eine große Hilfe. Auch das virtuelle Whiteboard kam zum Einsatz. Ein interessanter Prophet, ein noch interessanteres Buch, wenn man die Theodizee-Frage bedenken möchte. Wir sind in dieser Frage normalerweise schnell bei Hiob, Habakuk liefert aber zusätzlichen Gedankenstoff…

Abends beginnt ein sehr wichtiger Teil meiner Woche. Eine Predigt will vorbereitet werden. Heute beginne ich mit einer sehr selten genutzten Methode: Ich schaue Nachrichten.

Nun werden die letzten Stunden des Tages bis in die Nacht hinein einer Botschaft dienen. Welcher Text ist wichtig? Was würde ich wohl zu meiner Gemeinde sagen? Wie bleibe ich bei dem biblischen Wort und nicht bei lauter Neuigkeiten?

Mittwoch 25. März – 08:00 Uhr

Aufstehen, Losung lesen, stille Zeit. Dann direkt die Kontrolle per Handy und ein Verdacht wird leider wahr: Die Homepage kackt ab. Tatsächlich haben sich jetzt mehrere Dinge zusammengetan und es werden Fehlermeldungen produziert. Merke: Niemals nie ein Update hinauszögern. Auch wenn es Zeit und oder Geld kostet. Das Ganze kann noch viel schlimmer werden. Also muss ich bald, sehr bald, einige Updates installieren. Dafür brauche ich dann aber entweder sehr viel Zeit, oder wir investieren 50 Dollar in die Geschichte… Wahrscheinlich entscheide ich mich dazu, Geld in die Hand zu nehmen… Mal sehen. Bis dahin heißt es: Täglich eine Stunde Zeit reservieren, um die Sache so am Laufen zu halten, dass unsere Gemeindeglieder ihre ersten Impulse bekommen.

Kurze Zwischenbemerkung.

Ich hoffe, du kannst mir noch folgen. Ja, ganz oben habe ich ja schon angefangen, dir zu beschreiben, dass ich hier ein Digital-Native Pastor Tagebuch führe. Es geht also um Inhalte der digitalen Welt. Gerade mit der Homepage bin ich im Kern meiner Digital-Native Pastor Exiszenz. Das kann ich seit Kindesbeinen an… Bitte verzeihe, wenn ich mit derartigem Fachkauderwelsch zwischendurch vom Alltäglichen ablenke, es hilft aber den Nerds, die wirklichen Probleme des Lebens als Digital-Native Pastor zu bergreifen…

Um zehn Uhr kommen meine Kollegen (also mein Kollege und der Praktikant). Wir wollen Online-Andachten drehen. Dafür habe ich ja gestern bis in die Nacht hinein eine Predigt vorbereitet. Die Aufnahmen laufen super! In mir verspüre ich eine unglaubliche Dankbarkeit. Niemals hätte ich gedacht, dass bei mir zuhause eines Tages eine solch riesige Foto- und Videoausrüstung rumstehen würde. Mein Eindruck ist, dass die Andachten sich technisch auf jeden Fall sehen lassen können…

Nachmittags muss ich kurz raus. Unbedingt! Also auf zum Pferd, mit dem geht es dann eine Runde in den Wald. Spazieren. Tut gut. 

Abends treffen wir uns mit einigen der Gemeindeleitung in einer Videokonferenz. Wir wollen einen neuen Arbeitskreis starten, der etwas in unsrer Gemeinde verändert. Wieder so ein internes Ding. Du merkst, aus dem Pastorenleben zu berichten ist gar nicht so leicht…

Donnerstag

Heute nehme ich mir spontan frei.

Es braucht Zeit, um diese Situation zu verstehen.

Ich sage es keinem.
Der Tag ist vom letzten Montag noch übrig. Alternativ darf ein Pastor auch alle sechs Monate einfach so einen Tag nehmen. Hin und wieder ist es nötig, inne zu halten, Freiraum zu haben, Gottes Reden zu ermöglichen. Eines bilde ich mir aber ganz sicher nicht ein, nämlich ganz schnell eine fertige Lösung in den Händen zu halten…

Mein Handy lasse ich heute an, aber auf lautlos. Es ist sehr spannend, wie viele Leute direkt eine mittelschwere Krise kriegen, wenn man nicht in Kürze auf nebensächliche Fragen antwortet.

Das Mailpostfach ist übrigens auf eine vierstellige Zahl angewachsen. Ja, du hast richtig gelesen. Über tausend Nachrichten, die auf Antwort oder Bearbeitung warten. Kein Spam, kein „belangloses“ Zeug, aber vieles, was direkt in Ablage P kommen wird. Es ist leider einer der Nachteile, wenn mal als Digital-Native Pastor bekannt ist. Leute bilden sich ein, jeglichen Müll per Mail abladen zu dürfen, weil man damit ja umgehen könne. Sorry, aber ich antworte nur auf Nachrichten, die dem Bau vom Reich Gottes dienlich sind… (Sarkasmus! Natürlich antworte ich auch meinem Stromanbieter…)

E-Mails sind ein schwieriges Thema.

Jede Nachricht ist wichtig. Jeder Kontakt will gehört werden und verdient eine Antwort. In normalen Zeiten bekomme ich schon 200-300 Nachrichten pro Tag, aktuell noch viel viel mehr. Manchmal wundere ich mich, wie Menschen dann nicht verstehen, dass einzelne Nachrichten keine halbe Stunde bekommen können…

Den Tag heute brauche ich, um viel nachzudenken. Was mache ich derzeit? Die Pastorale Arbeit läuft in vielen Teilen weiter. Andachten, Predigten, Seelsorge, Biblischer Unterricht, Teenagerarbeit und Organisation (ein nicht zu vernachlässigender Posten). Dazu kommen aber noch die Videoproduktionen und Blogbeiträge auf der Gemeindehomepage. Eigentlich ein Teil meines Hobbys. Also eigentlich etwas, was ich grundsätzlich außerhalb meiner Arbeit mache…
Eigentlich betreibe ich mein Hobby aber auch nur für maximal sechs Stunden pro Woche. So lautete jedenfalls meine Entscheidung zum Beginn des Jahres. Die vergangenen Tage waren es über 60 Stunden – und das Ende der Woche kommt noch. Will ich das? Auf jeden Fall brauche ich schnell wieder mehr Kapazität für geistliche Arbeit und konkrete Impulse. Das steht heute Abend fest.

Freitag, 27. März – 07:30 Uhr

Morgens schrecke ich aus dem Bett hoch. Eines habe ich doch glatt vergessen. Gestern wollte ich doch das Video für YouTube drehen. Das mache ich jetzt sofort. Man wird es zwar sicher sehen, aber was solls… Die Gefahr ist zu groß, dass mir sonst Zeit für Ausbesserungen fehlt…

Direkt danach geht es an die Online Andacht. Ich möchte, dass meine Kollegen genug Zeit haben, ihre Meinung zu äußern. Einige Schnitte sind mir gut vertraut, merke ich. Es ist ein großer Vorteil, schon einen eigenen YouTube Kanal zu haben. Andere Schnitte sind mir aber vollkommen unbekannt. Ein Intro möchte ich auf jeden Fall haben. Das beschäftigte mich allerdings noch nie. Wäre eine Kaufvorlage vielleicht eine Option? Leider finde ich spontan keine mit einer guten Dokumentation. Hier fehlt es mir definitiv an Erfahrung.

Freitag, 27. März – 17:30 Uhr.

Zehn Stunden Arbeit, zwei Videos sind herausgekommen.

Bei WhatsApp gab es zwischendurch eine ganz komische Diskussion über eine Petition. Anscheinend werden verschwörerische Tendenzen auch unter Christen stärker. Die Person, die plötzlich austickt, kannte ich als gläubige Christin. Schade, dass man so schnell aus dem Frieden gebracht werden kann… Es kostet mich große Überwindung, meine Klappe zu halten. Etwas zu sagen, verspüre ich aber gerade nicht als meine Aufgabe.

Seit Tagen schon will ich mit meiner Mama telefonieren. Die Stunde war zu menschlichen Uhrzeiten aber bisher nicht drin. Schade. Auch als Digital-Native Pastor braucht es verbindliche Treffen, um Beziehung mit den Engsten zu leben…

Nun geht es an die Mails und Nachrichten. Ziel: Maximal 20 unbeantwortete Mails, die Aufgaben für die ferne Zukunft enthalten, dürfen übrig bleiben. Das Ziel wird dann mitten in der Nacht irgendwann erreicht…

Samstag

Heute habe ich das Gefühl, es geht nichts vom Tisch. Der Schreibtisch sieht auch aus, wie der Steuerungszentrale eines Raumschiffs. Mischpult hier, Mikro dort, lauter Kabel überall. Da wird morgen nochmal physisch aufgeräumt…

Den ganzen Tag geht es heute mal wieder um Homepage. Mails wegen Homepage, WhatsApps wegen Homepage. Parallel dazu noch die internen, für Außenstehende unsichtbaren, Fehlermeldungen. Einige Sachen kann ich beheben, muss nun aber erstmal weitere Inhalte vorbereiten. – Warum gibt es eigentlich bei soo vielen Leuten im Dorf niemanden, der eine eigene Homepage einigermaßen vernünftig betreiben kann?

Habe dann die neuen Beiträge eingestellt. Auch wenn ich hier 20 Jahre Erfahrung habe, dauert es immer wieder noch über eine Stunde für einen einzelnen Beitrag mit Bildmaterial. Die visuelle Komponente hat heutzutage allerdings auch eine Bedeutung, wie sie vor 20 Jahren undenkbar gewesen wäre… Warum schreibe ich das? Nun, ich bin Pastor, Digital-Native Pastor. Von Blog und Homepage habe ich Ahnung. Viel Ahnung. Deswegen mache ich ja auch die Seite meiner Gemeinde selbst. Weil ich weiß wie es geht. Aber auch, weil ich weiß, wie viel Zeit es kostet…

Kurzer, minimalistischer Exkurs zu Blogbeiträgen:

Wenn ein Blogbeitrag bei mir eingereicht wird, gibt es zunächst zwei Aufgaben: Rechtschreibung korrigieren und SEO Anpassung. Wenn man die Texte nicht für Suchmaschinen optimiert, kann man sie auch gleich verbrennen. Danach braucht es Bildmaterial. Legales Bildmaterial. Früher habe ich dafür noch Fotos machen müssen, heute gibt es glücklicherweise Portale. Dann folgt eine Überlegung für das Marketing. Die Beiträge auf unserem FeG Blog werden über Instagram und Facebook beworben. Für beide Portale müssen kompatible Grafiken erstellt werden. Zuletzt werden unsichtbare Einstellungen vorgenommen. Wo der Beitrag auf der Homepage auftauchen soll, ob er eines Tages gelöscht wird und so weiter… Für manche klingt es einfach. Für mich als Digital-Native Pastor ein Klacks. Einige werden dies aber noch nie wahrgenommen haben… (Sofern sie solch einen langen Beitrag überhaupt lesen…)

22:00 Uhr

Nun kommen noch letzte Einstellungen auf den YouTube-Kanälen… Man könnte so viel machen. Gerade die letzten vergangenen Videos bzw. Predigt-Livestreams müssten mal umbenannt werden und mit Thumbnails versehen werden. Aber wer könnte das? Ich habe gerade keine Kapazität, jemanden zu schulen…

Großer Aufruf in die Menge: Wer Bock hat, einige Sachen auf dem Kanal umzusetzen, oder sich anderweitig an digitalen Angeboten einzubringen, gerne MELDEN!!! :) 

Nun müssen aber auch wie gesagt noch die letzten Einstellungen für die kommenden Videos gemacht werden. Premierestartzeit zum Beispiel. YouTube scheint hier einen kleinen Konflikt mit der Sommerzeit zu haben… Gut, dass die meisten Routinen mittlerweile trotzdem drin sind, sonst würde ich hier stundenlang dran sitzen. Ich erinnere mich noch, wie unbeholfen ich bei den ersten Videos auf YouTube war.

Habe übrigens heute erstmalig seit vielen Jahren keinen Hinweis auf die morgige Zeitumstellung wahrgenommen. Weder in der Zeitung, noch in den Nachrichten, noch nirgendwo… Krass!!!

Aber egal. Die Einstellungen sind schnell gemacht. Hier hilft die Erfahrung ganz enorm.

Heute Abend war übrigens Jimmy Cornett mit seinem spontan organisierten Livestream – Event – Konzert online. Das war echt gut! (Mal zur Abwechslung nichts christliches… Darf man als Digital-Native Pastor eigentlich unchristliche Musik hören?)

Sonntag, 29. März 2020

In meinen Entwürfen gibt es unendlich viele Tagebücher. Es gibt ein Tagebuch einer Notfallseelsorgewoche. Es gibt ein Tagebuch über Freizeiten und ein Tagebuch des pastoralen Alltags. All das gehört hier aber doch eigentlich nicht hin… Es ist so lückenhaft, unvollständig, teilweise auch unverständig. Manche Informationen gehören der Verschwiegenheit und bleiben dort.

Trotzdem: Ich treffe die Entscheidung, dass dieses Corona-Tagebuch vom Digital-Native Pastor öffentlich werden muss. Leute fragen, was der Pastor wohl so tut. Kein Mensch hat wohl die leisteste Ahnung, wie lange ihr Jugendpastor gerade an seinem Computer sitzt und seinen Rücken quält. Versteht mich nicht falsch. Hier wird weder gejammert, noch nach Komplimenten gefischt. Transparenz ist aber unglaublich wichtig, vielleicht gerade in Zeiten, in denen vieles sehr schnell geht…

Der Morgen beginnt früh. Die Sommerzeitumstellung wird aber kaum bemerkt, weil mein Weg nur bis zum Computer führt. Mit Kaffee in der Hand und in Jogginghose zum Gottesdienst. Hat was. Die Videopremiere beginnt. Einige Leute sind dabei. 16 zunächst, später zähle ich 19, dann nur noch vier. Haben die etwa alle zwischendurch abgebrochen? Oder gab es jetzt vielleicht schon viel bessere Alternativen, so dass wir da mithalten müssten / sollten?

Sonntag, 20:00 Uhr

Es gab einige Rückmeldungen zur Online-Andacht. Erstaunlich viele dankbare Nachrichten. Einige Verbesserungsvorschläge gab es auch. Die können wir wohl auch einbauen.

Die eigentliche Wirkung der Video-Andacht wird sich erst später zeigen. Genau daraufhin ist sie ja ausgelegt. Bleibende Impulse. Warum sollte man denn einen Megapunk für den Moment betreiben, wenn man mit etwas mehr Aufwand etwas Bleibendes schaffen kann? Hin und wieder verspüre ich das Bedürfnis nach Gemeinschaft, nach Identifikation. Die kann über das Internet aber nur eingeschränkt funktionieren. Gerade dann, wenn fast die ganze Gemeinde über viele Jahre nur sehr verhalten im Internet aktiv war…

“Das Internet ist Neuland für uns alle…”

sagte mal jemand….

Vielleicht beginnt jetzt ja eine weitere Phase, in der Christen aus ihrer Konsumhaltung kommen und entdecken, dass sie selbst für ihre Bedürfnisse zuständig sind…

Dies wiederum ist einer der größten Vorteile vom Digital-Native Pastor. Er weiß um die Veränderungen, um die Chancen der Digitalisierung und um seine eigene Verantwortlichkeit…

Nun ist erstmal Feierabend. Morgen ist Montag, also frei… Ich weiß nicht, wie meine Arbeit sich weiter entwickeln wird. Eines merke ich, mir fehlen die Teens und viele Freunde! WhatsApp und Videokonferenz ist nicht Dasselbe!!! Mir fehlen die persönlichen Begegnungen, die kurzen Momente zwischen Tür und Angel, vor allem aber der Blickkontakt… Mir fehlt meine Crowd unglaublich, die Gemeinde, die netten und dummen Sprüche, die kurzen Begegnungen. Vielleicht schreibe ich auch über die kommenden Wochen noch einen Artikel. Notizen wird es auf jeden Fall geben. Ob es alles etwas bringt, mache ich aber von deiner Reaktion abhängig… ;) Bis bald, dein Simon 

  1. Wenn ich Tagebuch schreibe, schreibe ich immer so, dass andere es lesen könnten. Spätestens nach meinem Tod… Wenn ich das nicht will, sichere ich die Beiträge sofort. Massiv.
  2. Ich, ja ICH veröffentliche diesen Text hier als ICH selbst im vollen Vertrauen auf die Integrität meiner Person. Bitte zähle nicht die Menge der ICH-Vorkommen und denke, hier ginge es um Profilierung. Das ist nicht der Fall. Hier geht es um mein Tagebuch, mein Leben, um mein ICH… ;) – ICH stehe übrigens nicht auf Hobbypsychologen. Solche Leute sind mit unsympathisch und werden nie eine emotionale Nähe zu mir finden…
  3. Dritte Notiz, schnell und viel, ganz am Anfang. Für einen Blog eigentlich vollkommen unpassend, aber doch wichtig. Hier beschreite ich mit dir die Meta-Ebene… Das wird dieser Artikel sein. Wir schauen uns zwei Wochen später mein Leben der letzten zwei Wochen an… Lohnenswert! Die Meta-Ebene ist immer lohnenswert!
  4. Seit über zehn Jahren kann ich von den bei mir eingelagerten Vorräten mindestens zwei Wochen leben…
  5. Naja, eigentlich waren auch die Teens zu großen Teilen noch mit der Situation überfordert. Alleine die Schulaufgaben sind für manche eine echte Herausforderung…
  6. Der entscheidende Vorteil, das ist nach einer Woche Stream eindeutig und klar, sind Qualitätsunterschiede, die eine solche Andacht auch nach Monaten noch für neue Menschen interessant machen können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.