Kann man den Heiligen Geist wieder verlieren?

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Geist verlieren

Kann man den Heiligen Geist wieder verlieren? Diese Frage wird mir oft gestellt. Meistens in dem Zusammenhang mit der sogenannten Sünde gegen den Heiligen Geist. Worum geht es da? Warum stellst du dir diese Frage?1 Wir wollen uns dieser Frage in zwei Schritten nähern. Heute beschäftigen wir uns nochmal mit dem Wirken des Heiligen Geistes, im kommenden Beitrag (nächsten Freitag) dann mit der Sünde wider den Heiligen Geist.

Es geht um mehr, als den Geist!

Wenn jemand danach fragt, ob man den Geist verlieren könne, scheint es mir, als gehe diese Frage auf zwei grundfalsche Gedankengänge zurück. Zum einen dreht sich alles um ein Spiel mit der Angst vor der Hölle, zum anderen um ein Spiel mit Sünde. Die einen haben Angst, Gott zu enttäuschen, in dem sie fromme Handlungen unterlassen und die anderen Fragen sich, wie weit sie mit bestimmten Dingen gehen können, bevor es „zu weit“ geht. Anders gesagt: Sie fragen sich, wieviel Freude dieser Welt sie noch genießen dürfen. Was für eine komische Gedankenwelt…

Es geht um die menschliche Beteiligung. Was dürfen wir tun? Was dürfen wir nicht tun? Aber sind solche Fragen hilfreich? Worum geht es denn, um das neue Leben zu erhalten? Wenn man sich vorstellt, dieses Leben verdienen zu müssen, wenn es im Wesentlichen an unseren Handlungen hängt, dann wird zu wenig Verdienst selbstverständlich dazu führen, dass man das Leben (und damit den Geist) wieder verliert.

Eigentlich geht es aber doch mehr um Jesu Tat am Kreuz und weniger um den Heiligen Geist. Denken wir nochmal kurz zurück. Warum kommt der Heilige Geist in unser Leben? Weil Jesus ihn schenkt.

Ein solches Denken ist nicht biblisch! Wir bekommen den Heiligen Geist ja nicht auf Grund unserer Leistungen sondern auf Grund von Gottes Leistungen. Er ist ein Geschenk, quasi eine Vorausgabe auf die Ewigkeit, die wir mit Gott verbringen werden. Der Geist hat in uns eine feste Wohnung bezogen (1. Korinther 3,16) und ist fest mit uns verbunden. Aus Versehen verlieren können wir ihn also definitiv nicht. Wenn wir nun die Frage stellen: „Kann man den Heiligen Geist wieder verlieren?“ – Dann muss die Antwort lauten: „Nur wenn Jesus ihn wegnimmt.“

Es geht nicht zuerst um unsere Taten! Wir können uns den Himmel nicht verdienen. 

Ohne Gott geht es nicht.

Eine der größten Lügen der christlichen Geschichte ist nun allerdings die, dass man sich nur einmal „bekehren“ müsse und dann alles erledigt sei. Hinter dieser Überzeugung steckt ein massiver Irrtum. Wenn der Heilige Geist in uns wohnt und mit uns lebt, dann tut er das, um uns das neue Leben zu zeigen. Er, Gott selbst, will uns leiten und führen und uns dem Grund unserer Existenz näher bringen. Er will uns helfen, die Gottesferne Stück für Stück zu überwinden, uns so heiligen und Frucht in unserem Leben hervorbringen.

Was aber ist, wenn man nicht vom Heiligen Geist geleitet wird? Lebt man dann im Nichts? Das biblische Bild vermittelt hier einen Gedanken, der vielen Menschen der heutigen Zeit nicht passt. Dieser Gedanke lautet nämlich:

Man wird immer von irgendwas geritten… Die Frage ist nur von wovon…

Verstehst du? Wenn der Heilige Geist in deinem Leben keine Wirkung entfaltet, tun dies andere ist Geister. Sie ziehen dich runter und versuchen, dich von Gott zu trennen. Das ist kein Denken aus dem Mittelalter. Hier geht es auch nicht um einen Gegensatz zur heutigen aufgeklärten Welt. Es geht um Lebensgrundlagen, die für Milliarden Menschen vollkommen selbstverständlich sind – nur halt für manche Europäer nicht.2

Den Geist kann man einschränken. 

Paulus hat sich viel mit dem Heiligen Geist beschäftigt. Ihm ist auch sehr klar, dass man diesen Geist beschränken kann. Im Epheserbrief spricht er davon, dass man den Geist traurig machen kann, an die Christen in Thessalonich schreibt er, dass sie ihn nicht dämpfen sollen.

Ein trauriger Geist / Gott???

Paulus schreibt etwas, das wurde von manchen christlichen Eltern schamlos ausgenutzt. „Wenn du das machst, weint das Jesuskind aber ganz doll“ – haben viele junge Christen zu hören bekommen. Diese Aussage, die letztlich ein Missbrauch des Namens Gottes ist, deutet Paulus in Epheser 4,30 an. Er meint aber einen anderen Background.

Offensichtlich geht Paulus davon aus, dass man den Geist betrüben kann, wenn man seine Impulse ignoriert. Ist das nicht übertrieben, eventuell sogar falsch? Oder ist es vielleicht eher so, dass wir an dieser Stelle ein falsches Verständnis von Emotionen und Gefühlen haben?

Grundsätzlich beobachten wir in der Heiligen Schrift an verschiedensten Stellen wie Gott emotional reagiert. Er ist traurig, er liebt, er ist zornig. Wenn der Geist nun Gott ist, wenn er außerdem Person und nicht nur Kraft ist, dann kann auch er Emotionen haben. Dann können wir den Geist traurig machen.

Das Problem, welches wir nun sehen, hängt in unserer Kultur, nicht in unserem Verständnis von Gott. In unserer Kultur sehen wir es als ein Zeichen von Schwäche an, wenn Gefühle oder Emotionen ins Spiel kommen. Dabei hat Gott Gefühle und Emotionen geschaffen. Natürlich können sie missbraucht und für falsche Zwecke ausgenutzt werden, sie kommen aber von Gott. Er hat uns Emotionen gegeben, damit wir bestimmte Situationen unseres Lebens intensiver erleben, verarbeiten oder miteinander teilen können.

Warum sollte es uns also schwerfallen, davon auszugehen, dass auch der Heilige Geist Emotionen haben kann, dass er traurig ist, wenn wir anders handeln als er sich das wünscht?

Ein beschränkter Geist / Gott???

Man kann den Geist auch dämpfen, das heißt seine Kraft einschränken, sein Feuer abschwächen.3

Was können wir darunter nun verstehen? Paulus spricht hier im Zusammenhang mit der Gestaltung des persönlichen Glaubenslebens. Ich verstehe das Dämpfen des Heiligen Geistes darin, dass ich mir schlicht und einfach keine Zeit für ihn nehme. Das wandeln im Heiligen Geist ist eng verbunden mit unserer sogenannten Spiritualität, der Gestaltung unserer Zeit mit Gott. Wenn mir also hunderte andere Dinge in meinem Leben wichtiger sind und ich dem Heiligen Geist keinen Raum gebe, dann dämpfe ich ihn, unterdrücke sein Feuer und seine Kraft in meinem Leben. 

Diese Gedanken sind eine wichtige Grundlage für die Frage: „Kann man den Heiligen Geist wieder verlieren?“ Auf dieser Grundlage können wir uns in der kommenden Woche mit der Sünde wider den Heiligen Geist beschäftigen! Es geht nicht um ein “zu viel” oder “zu wenig”! Es geht um Beziehung, um unser Leben, um unsere Bestimmung. Christsein heißt nicht, religiös zu sein. Christsein heißt, den allmächtigen Gott an der Seite zu haben und ihn das eigene Leben bestimmen zu lassen…

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  1. Sonst würdest du diesen Artikel wohl kaum lesen…
  2. Wenn du weiterdenken möchtest, ersetze die Vokabel Geist mal durch das Wort Glaubenssatz. Plötzlich bist du in einer ganz aktuellen und anerkannten Diskussion…
  3. 1. Thessalonicher 5,19

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