Warum habe ich eigentlich angefangen zu bloggen?

Ungefähre Lesezeit: 8 Minuten

Eigentlich blogge ich schon länger, als es überhaupt Blogs im Internet gibt. Schon als Teenager war es mir wichtig, Inhalte über das Unsichtbare Welt im Internet zu verbreiten. Heute bin ich bei einem Blog gelandet, den man gar nicht mehr in eine Sparte einordnen kann. Man könnte meine Seite als eine Art Lifestyle-Blog beschreiben, allerdings ein ganz schön spezieller Lifestyle mit einem kleinen Blick in die unsichtbare Welt.

Vor einigen Tagen bin ich bei Pinterest auf eine derzeit laufenden Blogparade mit der Frage “Wie hast du angefangen zu bloggen?” von Anna Koschinski gestoßen. Sie stellt die Frage nach dem großen Warum, nach dem Ziel und der Motivation hinter einem Blog. Ganz sicher ist diese Frage eine sehr wichtige Frage.

Auch ich stelle mir die Frage regelmäßig nach dem Motto: “Warum tust du das hier eigentlich?” Interessanter Weise beantwortet sich diese Frage für mich persönlich immer1 innerhalb von kurzer Zeit. Dann spricht mich nämlich jemand an und motiviert mich, weiter zu machen.

Aber immer der Reihe nach. Wer die “Über mich” Seite auf meinem Blog kennt oder mir seit langem folgt, weiß durchaus um einige Hintergründe.

Warum habe ich angefangen zu bloggen - unsichtbare Welt

Ein Blog vor der Bloggerzeit.

Als ich vor vielen Jahren endlich Internetanschluss im eigenen Kinderzimmer bekam, war ich überglücklich. Endlich war Simon Birr online. Zunächst war das nur mittels eigenem Proxyserver möglich. Stundenlang musste ich daran programmieren. Immer wieder am PC meiner Eltern sitzen und Informationen suchen. Nach etwa drei Tagen lief dann aber alles, sogar die Kanalbündelung der ISDN-Leitungen funktionierte. Mit sagenhaften 128 KBit/s war ich der King in der Stadt. So schnelles Internet hatte sonst niemand.

Im Jahr 2000 brachten mich einige Freunde auf die Idee einer eigenen Homepage. Konsumieren allein war mir nicht genug. Ich wollte meinen Teil beitragen. Über die unsichtbare Welt wurde nur unverständlicher Mist oder vollständiger Quatsch im Netz veröffentlicht. Das wollte ich unbedingt ändern.

Der Weg zur Homepage war mühsam und steinig. Erste Versuche machte ich mit einem WYSIWYG-Editor. Das war irgendeine billigste Software, in der man mit Bildern, Hintergründen und Texten eine Homepage heraus bekam. Leider hatte diese Lösung zwei gravierende Nachteile. Zum einen waren Änderungen an bestehenden Inhalten quasi unmöglich. Es war ähnlich, wie in einem langen Word-Dokument in welches man nachträglich ein Bild einfügen möchte…2 Zum anderen sah die Seite auch nur in einem der damals drei verbreiteten Browser gut aus. Die Lösung war also Mist.

Also studierte ich die Programmiersprache HTML, bis ich anfing von ihr zu träumen. Ein zweiter Entwurf wurde fleißig im Windows-Editor erstellt – nach wie vor ein geliebtes Werkzeug für schnelle Programmierungen…

Das Ziel immer vor Augen!

Das eigentliche Ziel war immer vor Augen. Tagtäglich trieb es mich, die Seite auf die Beine zu stellen. Design war eine Seite. Programmierung war die zweite Seite. Die dritte, wichtige Seite war aber der Inhalt. Ich wollte Content über die unsichtbare Welt verbreiten, den Urgrund der Dinge, die metaphysische Ebene – Gott. So viele tolle Gedanken und Ideen hatte ich gefunden, bedacht und verknüpft. So viele Worte hatte ich in meiner Freizeit aufgeschrieben und fand sie großartig.


Ich wollte Content über die unsichtbare Welt verbreiten, den Urgrund der Dinge, die metaphysische Ebene – Gott.

Heute möchte ich die ersten Beiträge lieber keinem mehr unter die Nase reiben, das wäre fast peinlich. Damals war ich aber überzeugt – mit 15 Jahren.

Dieser Content sollte also in die weite Welt hinaus. Regelmäßig. Sichtbar für alle. Es war damals dasselbe, was ich heute auf meinem Blog mache – nur das es noch kein Bloggersystem im Jahr 2000 gab – mir war jedenfalls keines bekannt.

Kostenlos war Mist.

Am Anfang wollte ich natürlich möglichst kein Geld ausgeben. Der Computer war so teuer gewesen und ich musste dringend auf den neuen Joystick für den Flugsimulator sparen. Also probierte ich hin und her. Erinnert sich noch jemand an Freenet.de in der frühen Zeit? Da gab es kostenlosen Service und Speicherplatz, da unser Telefonanschluss über die Firma lief. Die Seitenurl sah aber miserabel aus. Ein ganz toller Dienst namens de.vu (heute auch tot) schuf Abhilfe – aber letztendlich war das alles nichts.

So kaufte ich mir meine erste Domain soulstormer.de im Jahr 2001. Ein wenig Geld auszugeben, schadet nicht. Regelmäßig kamen neue Beiträge und Gastbeiträge online. Es ging immer um Glaubensthemen, immer auch mit einem kleinen oder großen Blick in unsichtbare Realitäten.

Der Einsatz lohnte sich!

Es lohnte sich wirklich. Monatlich fanden vierstellige Besucherzahlen auf meine Seite. Spam war damals noch Neuland und kaum relevant. Auf der Soulstormer-Seite hatte ich ein gesamtes Content Management System mit eigenem Forum in PHP programmiert. Was ging es da ab. Diskussionen über Diskussionen. Die Leute kamen auf die Seite, um sich mit mir über die Inhalte zu unterhalten. Man konnte kommentieren und weiterempfehlen.

Ein großer Rückschlag.

Leider musste ich wesentliche Teile, insbesondere das Forum dann eines Tages offline nehmen. Offensichtlich waren meine Programmierkünste doch nicht so ausgefeilt, dass sie einem Hackerangriff standhalten konnten. Der Programmieraufwand wäre für einen weiteren Betrieb so aufwändig geworden, dass ich es selbst nicht mehr gestemmt bekam.

Gleichzeitig wollte ich meine Seite aber eigentlich viel weiter ausbauen. Mit dem Beginn des Studiums 2005 wollte ich die neue Welt des Internets3 nutzen, um den Kontakt mit vielen Freunden zu halten. Meine zweite Domain sbirr.de sollte soulstormer damals schon ablösen, weil die Inhalte einfach zu sehr mit meiner Person verbunden waren.

Die Rettung durch ein neues System…

Kurz davor, alles hinzuwerfen, landete ich aus irgendeinem Zufall bei einem damals unbekannten System. Es war ein aufstrebendes Format namens “WordPress”. Die erste Version, die ich installierte, war WP 1.5… Man könnte mich also durchaus als ganz alten Hasen bezeichnen, aber nun genug der Selbsthudelei.

Machen wir es kurz: Das neue System lief stabil und sicher. Meine alten Inhalte konnte ich gut einpflegen und bei der Gelegenheit auch korrekturbedürftige Artikel offline nehmen. Das ist übrigens eine Gewohnheit, die ich beibehalten habe. Bei jedem Redesign werden sämtliche Artikel überprüft und alles was überholt ist, kommt weg. Erstmal jedenfalls. Wen interessiert denn bitte, was ich vor fünfzehn Jahren geschrieben habe? Zeiten ändern sich, also auch ein langfristig angelegter Blog…

Viele Jahre konzentrierte ich mich neben meinen sporadischen Inspirationen auf einzelne Beiträge für meine Freunde. Manche waren sehr, wirklich sehr persönlich, andere blieben eher allgemein. Zu dieser Zeit merkte ich aber auch, dass ein weiterer Schritt nötig wäre. Zum einen ein Schritt in der inhaltlichen Gestaltung, besonders beeinflusst von meinem Studium, zum anderen aber auch ein Schritt in Sachen Design.

Plötzlich stürmten die Sozialen Medien los.

Plötzlich gab es aber große Aufschreie in der Internetwelt. Netzwerke wie StudiVZ und SchülerVZ machten die Runde. Dazu kamen Wer-kennt-wen, Facebook und Twitter.

Das war auf der einen Seite wundervoll, auf der anderen Seite ein riesiges Drama – für mein Projekt. Plötzlich wurde der Blog scheinbar obsolet. Alles war in diesen Netzwerken möglich, meist sogar viel einfacher, als über den Blog. Wer sich noch daran erinnern kann, wie mühevoll es war, in Photoshop ein Beitragsbild für WordPress zu optimieren und auf den Pixel genau anzupassen, weiß, was ich meine.

Diese neue Welt faszinierte mich und das tut sie noch immer. Alles, was heute Standard ist, lernte ich kurz nach der Veröffentlichung kennen. Facebook, Twitter, Instagram waren bei mir ganz schnell dabei. Sogar bei Linkedin und Pinterest gehörte ich zu den ersten, die das Ganze ausprobierten. Youtube war mir ein Begriff, mein Konto war auch schnell erstellt, im Studentenwohnheim war aber Videostreamingverbot, da wir zu wenig Bandbreite hatten. Manchmal war ich aber ganz alleine im Wohnheim und konnte experimentieren… Pssst, nicht weitersagen.

Kurzum: Diese neue Welt brachte einen Knicks in meine Bloggerlaufbahn. Vieles an Vernetzung war so einfach und entspannt. Ganz neue Möglichkeiten ergaben sich durch die Funktionen. Bedenke: Ich spreche noch nicht von der Nutzung über Smartphones, diese gab es zu der Zeit nämlich noch nicht.

Es war aber nicht alles Gold. Einige Inhalte waren nur schwierig zu platzieren. Ich wollte ja nicht von meiner Prüfungsangst sprechen, wenn der Prüfer in meinem Netzwerk mit drin saß. Viele meiner alten Bekannten, besonders die der älteren Generation waren auch nicht über Twitter & Co erreichbar. Zusätzlich kam das Problem, dass die Algorithmen der Netzwerke Aktivität mit Aufmerksamkeit belohnen – damals wie heute. Viel Aktivität konnte ich auf Dauer aber nur selten aufbringen. Wir befinden uns wie gesagt noch in einer Zeit ohne Smartphones, ein Bild zu Facebook zu bringen lief immer über den Weg Kamera-Kartenleser-Photoshop-Facebook, tierisch zeitraubend.

Es wuchs mit der Zeit der Wunsch, etwas Neues zu machen, den Blog mit den Sozialen Netzwerken zu verbinden und ein großes Ganzes zu erstellen.

Jahrelanges Training für den Push in 2018.

Dies war aber leichter gesagt, als getan. In kürzester Zeit hatte sich so viel verändert, dass man kaum hinterher kam. Designansprüche waren gewachsen. Programmiertechnik hatte sich massiv erweitert. Verknüpfungen mit Sozialen Medien änderten sich mehrmals jährlich. Das ist heute auch noch so, aber wenn man einmal wieder im Flow drin ist, kommt man einigermaßen klar.

Mir waren auch neue, weitere Themen wichtig, der Bereich Pastoralmanagement zum Beispiel, für den ich schon über 200 Themen im Kopf hatte, die hier nach und nach veröffentlicht werden. Auch war mir wichtig, sowohl geisteswissenschaftlich, also auch naturwissenschaftlich reflektiert zu schreiben, gleichzeitig aber in der Realität normaler Menschen zu bleiben. Es brauchte also Studium und Erfahrung ohne Ende. Gut, dass ich eines Tages als Pastor angefangen habe – da ergab sich diese Erfahrung automatisch.

Also habe ich nochmal einige Jahre investiert, diesen Blog zwischendurch nur mit wenigen Inhalten gefüttert und mich dafür um wichtige Skills gekümmert.

Im Frühjahr 2018 war es schließlich soweit. Die Motivation ist geblieben, mein Ziel ist nach wie vor dasselbe. Ich möchte Menschen etwas über die unsichtbare Welt erzählen, ihnen Impulse geben, die sie sonst nicht im Internet finden. Da diese Seite quasi 18 Jahre alt wurde, also volljährig, zeige ich ihr nun die ganze Welt des WorldWideWeb. Ich bin sehr gespannt, was in Zukunft noch alles kommen wird. Ganz sicher sind wir beide noch nicht am endgültigen Punkte angelangt, alleine WordPress 5.0 wird nochmal Bewegung in die Sache bringen.

Es geht immer weiter!

Vieles ist seit Beginn gleich geblieben. Manches hat sich aber auch drastisch verändert, angefangen bei den wissenschaftstheoretischen Grundlagen. Heute geht der Blog ein Stück weit in Richtung eines “Christlichen Lifestyle als Pastor auf dem Dorf.” Das letzte Wort ist aber noch lange nicht gesprochen. Hier hoffe ich auch noch auf viele Impulse von euch, die ihr mir immer wieder zeigt, was euch gefällt und was euer Leben bereichert.

Ich freue mich auf einige weitere spannende Bloggerzeiten. Es ist ein wunderbares Hobby, hier kann ich viele verschiedene Leidenschaften vereinen. Sei gespannt auf das kommende Jahr, da wird es nochmal eine ganze Reihe von Veränderungen geben… Wenn du Anregungen hast, lass mir gerne einen Kommentar da. Ich freue mich.

unsichtbare Welt - Simon Blogger Pinterest


  1. Wirklich immer, das ist eine der Besonderheiten christlicher Blogger
  2. Nostalgiker werden jetzt sofort Bescheid wissen, alle anderen können sich ja mal Windows 98 auf den Rechner laden…
  3. Ja, damals konnte man den Begriff Internet noch mit dem Begriff Neuland in Verbindung bringen… Heute sollten sich Politiker mal mit der Realität des wirklichen Lebens auseinandersetzen, bevor sie Gesetze machen!

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