Was hat die Pfingstbewegung mit dem Heiligen Geist zu tun?

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Pfingstbewegung

Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts gibt es die sogenannte Pfingstbewegung. Die Geschichte dieser Bewegung ist sehr lang, geht in ihren Ursprüngen noch viele Jahrhunderte zurück. In Deutschland gibt es – weltweit einmalig – nach wie vor große Gräben zwischen pfingstlerisch geprägten Gemeinden und pietistisch geprägten Gemeinden.

Plötzlich redete man in Zungen.

Um es ganz kurz zu fassen bleiben wir bei einem grundlegenden Element dieser Bewegung hängen: Einige Christen entdeckten die Gabe der Zungenrede ganz neu. Sie war lange Zeit nicht in Gottesdiensten gebraucht worden.1

Diese neue Entdeckung führte zu neuen Überlegungen über Gaben des Heiligen Geistes und zur neuen Betonung der Geistestaufe. Es wurden Veranstaltungen gefeiert, in denen nicht nur Zungenrede, sondern auch weitere unerklärbare Gaben ausgelebt werden konnten.

Wunder geschahen.

Diese Veranstaltungen werden in den Ursprüngen der USA ebenso wie in den ersten deutschen Berichten von großen Zeugnissen begleitet. Man liest von Heilungen, von unterschiedlichen Geisteswirkungen. Auf der ganzen Welt entstanden neue Gemeinden. Gerade die Auflösung von rassistischer Prägung (weiß gegen schwarz) und die Beteiligung von unteren sozialen Schichten waren überaus attraktiv. Menschen fanden zu Jesus Christus, ein deutliches Zeichen für die Wirkung des Heiligen Geistes.

Leider reagierten die gestandenen Gemeinden in Deutschland anders, als der Rest der Welt. Mir ist nun vollkommen bewusst, dass ich hier als kleiner Pastor vom Dorf schreibe. Meine Prägung ist frei-evangelisch, die Geschichte vom Gnadauer Verband ist mir ebenso wie die der Pfingstbewegung in weiten Zügen nur aus sekundären Quellen bekannt. Trotzdem kann man in den wesentlichen Texten die typisch deutsche Skepsis vor dem Neuen schnell erkennen:

Auf Grund von Angst vor dem Unbekannten distanzierten sich Gemeinden im Jahr 1909 massiv von der neuen Pfingstbewegung.

In unserem Land entstand ein Graben, wie er tiefer nicht sein könnte. Ich selbst komme aus einer Gemeinde, in der diese Spaltung direkte Ausmaße hatte. Ein fruchtbarer Austausch blieb über Jahrzehnte aus, es entwickelten sich parallele geistliche Strömungen. Die jeweils anderen wurden übelst ausgegrenzt, es wurde gar die Christlichkeit abgesprochen. Von einem Geist “von unten”2 war die Rede, von Besessenheit statt Geistesführung.

Dazu möchte ich eines kurz erwähnen: Eine derartig subtile Beeinflussung Satans, wie hier unterstellt wird, ist der Bibel fremd. Wenn der Feind auftaucht, dann eindeutig und klar gegen das Evangelium gerichtet. Der Teufel geht um, wie ein brüllender Löwe. Er wird niemals eine Bewegung ins Leben rufen, die Menschen in die Hände von Jesus Christus führt.

Tatsächlich, dem möchte ich aber zustimmen, gibt es vom Satan belastete und von Dämonen gequälte Christen. Sie gibt es aber nicht nur in der Pfingstbewegung. Sie gibt es meiner eigenen Erfahrung nach ebenso in mennonitisch geprägten Kreisen, in der darbyistischen Brüderbewegung und auch in Freien evangelischen Gemeinden…

Zwei Wege zu einem Ziel?

Über viele Jahre blieb ein fruchtbarer Austausch aus und es entwickelten sich parallele geistliche Strömungen in unserem Land. Auf der einen Seite waren diejenigen, die ihren Glauben auf Grund ihrer Jahrhundertealten nüchternen Tradition lebten, auf der anderen Seite waren diejenigen, die ihre neu entdeckten Charismen ins Zentrum ihrer Veranstaltungen stellten.3

Pfingstbewegung und traditionelles Christentum schließen sich nicht gegenseitig aus.

Den Heiligen Geist haben alle Christen in gleicher Weise. Manche betonen die eine Seite von Geistesgaben, andere betonen andere Geistesgaben. Geleitet durch den Heiligen Geist ist jede Gemeinde, wenn auch manchmal menschliche Vorstellungen die Führung des Geistes dämpfen. Es lohnt sich, regelmäßig über den Tellerrand zu schauen und von anderen christlichen Gemeinschaften zu lernen, Neues zu entdecken und den Geist Gottes in ganz anderer Weise zu erleben.

Es lohnt sich aber auch, diese neuen Entdeckungen dann mit den Leuten in der eigenen Gemeinde zu besprechen und zwischen all den menschlichen Zügen der Christenheit die Gemeinsamkeiten des Heiligen Geistes zu erfahren.

Nein, hier mache ich keine Werbung für irgendeine Denomination. Geh in die Kirche oder Gemeinde, in der Jesus dich anspricht, das ist meine Botschaft! Es geht um Ihn, nicht um Rechthaberei! Entdecke ihn, suche nach seinem Geist – und lasse dich vom Reich Gottes begeistern!!!

Weitere Beiträge zum Heiligen Geist:

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  1. Sie wird auch heutzutage vom Großteil der Christen weltweit nicht praktiziert.
  2. also von satanischer Prägung
  3. Eigentlich ist es noch viel schlimmer. Sechzig Jahre vor dieser Trennung spalteten sich ja schon reformierte Kirchen und Baptisten, Darbyisten und FeG-ler auf, zweihundert Jahre früher spalteten sich Reformierte und Lutheraner, davor spalteten sich Evangelische von römisch-katholischen usw. usf. – Merkst du was ich sagen will? Nur, weil wir unterschiedlich denken, haben wir keine unterschiedlichen Götter…

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