So hörst du auf zu denken, was andere denken könnten…

Ungefähre Lesezeit: 8 Minuten

Finde deinen Stil und geh deinen Weg. Entdecke, wer du wirklich bist. Umgebe dich mit echten Freunden! So wirst du merken, dass das, was andere denken, immer kleiner in deinem Kopf wird.

Vorwort: Mit diesem Beitrag habe ich lange gekämpft. Ich habe gekämpft, weil er ein kleiner Teil meines Herzens ist und ich nicht immer weiß, ob ich das alles gut verständlich ausdrücken kann. Niemals weiß ich genau, was andere denken, wenn sie meine Gedanken als Text lesen. Alleine das Titelbild muss eigentlich schon Reaktionen hervorrufen. Aber dieser Beitrag ist mir wichtig. So kommt er ausnahmsweise auch nicht pünktlich am Donnerstag, sondern aus besonderem Anlass an einem Sonntag online… Ich freue mich über viele Kommentare!

Seit vielen Jahren begleiten mich schon zwei Bibelworte. Sie gefallen mir und prägen mich. Über die Zeit sind sie mir sehr wichtig geworden.


Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Apostelgeschichte 5,29b


Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.

1. Samuel 16,7b

Es sind nur zwei kurze Nebensätze. Ganz sicher kann man unendlich viel zu ihnen sagen. Sie wurden mit vielen hunderten Jahren Abstand gesprochen. Mir bedeuten sie aber für mein ganz konkretes Leben sehr viel. So liest du heute weniger eine Andacht, mehr einige zeugnishafte1 Gedanken.

Ich bin ein kleiner Pastor vom Dorf.

Bei uns kennt man sich. Man sieht sich regelmäßig – wenn auch nur zum Einkauf. Bei uns redet man auch hin und wieder übereinander. Man redet über gute und begeisternde Dinge, man redet aber auch über peinliche Dinge. Das ist auf dem Dorf so. Wenn du Dorfleben mal extrem kennenlernen möchtest, schau dir die Serie “Neues aus Büttenwarder2 an. Hat mit meinem Ort, in dem ich wohne, zwar überhaupt nichts zu tun, die grundlegende Kultur wird aber überaus deutlich.

Ich erzähle das alles aus einem bestimmten Grund. Bei uns gibt es nämlich einen Spruch:


“Was sollen denn die Leute denken?”

Wir achten darauf, wie es bei uns aussieht. Natürlich schauen wir darauf, wie wir auf andere wirken. Wir haben unsere Wirkung auf andere immer im Blick. Das ist bei uns auf dem Dorf so, das gilt aber auch für das Leben in der Stadt. Es ist uns wichtig, was andere denken. Wenn das aber unser Verhalten bestimmt, wird es schwierig…

Warum ist es wichtig, was andere denken?

Unsere Welt ist mittlerweile ziemlich bunt geworden. Vor einigen hundert Jahren war es noch normal, dass Leute sich Klamotten selbst gemacht haben. Man hat das getragen, was man produzieren konnte. Besondere Klamotten waren ein Zeichen von Luxus, Da wurde man wegen Klamotten nicht gemobbt – alle sahen blöd aus. Niemand dachte in Bezug auf Klamotten, was andere denken könnten.

Heutzutage ist das anders. Klamotten alleine sind schon ein spannendes Thema. ich nutze es hier natürlich nur, um dir etwas viel Wichtigeres zu verdeutlichen… Mit den Jahren habe ich so manche Trends miterlebt. Buffalos, das waren hohe Zeiten. Tunnel im Ohr, Bauchfrei, Schlaghosen, große Stiefel. In diesem Sommer ganz aktuell waren die von uns so getauften „Arschhosen“. Die werden so weit hoch gezogen, dass der Hintern unten wieder raus guckt…

Stile kommen und gehen – und wir rennen allesamt hinterher, um uns anzupassen.

Wir wollen dazu gehören, wollen gesehen werden. Positiv auffallen, einen guten ersten Eindruck machen, das ist ein wichtiger Antrieb. Wir wollen, dass die Leute unsere “Persönlichkeit” wahrnehmen.

Ich weiß, viele denken überhaupt nicht über solche Sachen nach. Sie kaufen einfach was modern ist und sehen dann vermeintlich gut aus. Ich finde es übrigens nicht schlimm, so manchen Trend mitzumachen. Es ist doch nicht schlimm, hübsch und freundlich auszusehen. Das fördert manche neue Bekanntschaft. Mir ist aber wichtig, dass das nicht alles ist.

Das, was die anderen von dir denken, ist nicht das Wichtigste.

Manchmal musst du dich leider verstellen, um ihnen zu gefallen. Was ist, wenn dir eine Mode überhaupt nicht gefällt? Trägst du dann etwas, was du hässlich findest, nur um von anderen gesehen zu werden? Und mal ganz ehrlich: Yogapants stehen Menschen, die Yoga betreiben – und nicht denen, die es gerne betreiben wollen würden. Regelmäßig frage ich mich, warum nicht genau diese armen Menschlein danach fragen, was andere denken… Es würde mich so viel Augenleid ersparen. Trägst du etwas, was dich hässlich macht, nur weil es gerade angesagt ist? 

Wenn du das tust, dann passiert etwas mit dir. Du fängst an, das, was du nicht schön fandest, als normal anzusehen. Wenn du aber etwas normal findest, findest du es auch gut. Ganz plötzlich findest du es schön. Die anderen haben deine Meinung, deine Gefühle, dein ganzes Wesen beeinflusst. Du verlierst ein Stück von dir Selbst zu Gunsten der anderen.

Ist es das, was du willst? Dich selbst verlieren, um anderen zu gefallen?

Ich weiß, manchmal ist es wichtig, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Im Beruf zum Beispiel hat man eine bestimmte Rolle. Da kannst du nicht einfach raus.

Stellt euch mal vor, ich würde jeden Tag im Borat durch die Gegend laufen. Das wäre nicht nur absoluter Augenkrebs, ich würde mich auch komplett lächerlich machen. Dann allerdings, wenn alle lachen, hört keiner mehr zu. Damit hätte ich versagt. Manchmal ist es wichtig, was andere denken.

Es ist nicht falsch daran, im Beruf einen besonderen Schwerpunkt zu setzen. Als ich vor vielen Jahren Autos verkaufte, ließ mein Chef mich nicht in jedem Aufzug vor die Kunden. Das war gut so. Es wäre absolut geschäftsschädigend gewesen. Mancher Beruf bringt einen bestimmten Stil mit sich. Das ist in Ordnung.

Eines musst du dir aber merken: Wenn du dich jeden Tag für viele Stunden verstellen musst, wenn du jeden Tag für viele Stunden Klamotten tragen musst, die dir überhaupt nicht gefallen, dann hast du den falschen Beruf gewählt. Du solltest dich dringend nach Alternativen umsehen…

Freunde akzeptieren dich so, wie du bist.

Im Privatleben sieht das grundlegend anders aus. Freunde, echte Freunde, nehmen dich so an, wie du bist. Sie denken über dich, was auch immer sie wollen. Sie akzeptieren dich aber mit deinen Fehlern und Macken. Das macht Freundschaft aus. Das ist das Besondere an Freundschaft.

Für echte Freunde musst du dich nicht anpassen. Sie denken positiv über dich, einfach weil sie deine Freunde sind. Echte Freunde lästern nicht über dich. Sie lachen auch nicht über dich, jedenfalls nicht aus einer Abfälligkeit heraus. Echte Freunde sehen gar nicht dauerhaft, was du grade an Klamotten an hast.

Ihnen musst du nichts vormachen. Sie sind echte Freunde, die nicht nur an oberflächlichem Kram interessiert sind. Solche Freunde brauchst du im Leben. Damit wirst du den wichtigsten Schritt gefunden haben, in der Frage was andere denken. Suche unbedingt nach solchen Freunden. Du findest sie nicht wie Sand am Meer und musst viel für sie investieren…

Man kann es nie allen recht machen!

Am Ende geht es aber nicht nur um Beruf und Privatleben. Es geht um die Unterschiedlichkeit unter uns Menschen. Jedem Menschen ist etwas anderes wichtig. Du kannst es niemals allen recht machen. Die einen sind Ordnungsliebhaber und brauchen akribisch aufgeräumte Räume. Andere sind kreative Chaoten und fühlen sich erst wohl, wenn ein Zimmer eine gewisse Persönlichkeit ausdrückt.

Wenn du dich nun nach den einen oder nach den anderen richtest, wirst du jemanden enttäuschen: Beides geht nicht. Du kannst keine sterile Ordnung schaffen und einen Raum mit Persönlichkeit füllen. Es gibt keine kreativen Flächen, wenn alles exakt auf Maß sein muss.

So ist es letztendlich mit allen Dingen im Leben. Wenn du es einer Gruppe von Menschen recht machen willst, wirst du einer anderen Gruppe vor den Kopf stoßen. Manchmal ist die eine Gruppe nur lauter, als die andere, beide Gruppen sind aber da.

Verstehst du? Irgendwer wird immer negativ von dir denken. Das ist normal. So ist unsere Welt. Das ist auch vollkommen in Ordnung.

Finde dein eigenes Ding.

Mir ist es nicht wichtig, was die anderen denken. Bestimmt ist das eine große Stärke von mir. Manchmal gehe ich Nerverei aus dem Weg und passe mich an. Zur Predigt im Sonntagsgottesdienst trage ich zum Beispiel nen Anzug. Nicht, weil ich den so hübsch finde, sondern hauptsächlich, weil ich einfach keine Lust auf mimimi habe. Es ist schon faszinierend, wie Menschen ihre Zwänge3 teilweise artikulieren. “Man kann dann nicht richtig zuhören” ist da noch eine harmlose Aussage.

Lass dich nicht zu sehr von anderen Meinungen beeinflussen.

Es gibt auch die, die überaus dankbar sind, wenn sie in ihrer Kultur abgeholt werden. Sie sind eher die ruhigen Typen. Manchmal kannst ihnen eine Freude mit einfacher Kleidung machen. Das ist eine gute Sache. Ich freue mich sehr, wenn sich jemand über meinen Anzug freut. Auch wenn ich meine Kappe zum Gebet abnehme und jemand anders diese Geste erfreut wahrnimmt, freue ich mich.

Wenn du aber im Konjunktiv darüber nachdenkst, was jemand anders denken könnte, dann bist du auf einer ganz falschen Fährte. Solange Menschen nur denken, ist das doch kein Problem. Mich geht es eigentlich überhaupt nichts an, was die anderen in ihren Köpfen haben. Das ist ihre Privatsache. Da habe ich nichts mit zu tun. Wenn die sich sonst was für Gedanken über mein Leben machen, dann können sie es ruhig. Mich hat es nicht zu interessieren.

Kompliziert wird es, wenn Leute unmögliche Ansprüche formulieren.

Manchmal kommt es vor, dass die Leute mir sagen, was sie denken. Eine Aussage, die mit den Worten “Ich muss jetzt mal was sagen…” beginnt, kommt meist von ganz tief unten. Da kann ich mich durch beeinflussen lassen – oder auch nicht.

Manche stören sich zum Beispiel an meinen Socken. Andere stören sich an meinem Bart. Die nächsten finden keinen Gefallen an meinen Andachten und sonst was für Dingen.

Wenn sowas kommt, hast du zwei Möglichkeiten:

Möglichkeit 1: Du reagierst. Also machst du es den anderen recht, änderst dein Leben, damit sie zufrieden sind. Dadurch wirst du aber nicht wirklich zufriedener werden. Du machst nämlich nur das, was andere denken.

Möglichkeit 2: Du weißt, warum du etwas machst. So kannst du ihre Einwände prüfen und annehmen oder auch nicht. Wenn du klar hast, dass du gut und richtig bist, brauchst du dich von den anderen nicht verunsichern lassen.

Am Ende kommt es auf viel Weisheit an.

Es ist dummes Geschwätz, wenn jemand sagt, dass ihn die anderen kein Stück interessieren. Ich weiß, ich sage immer wieder, dass es mir total egal ist, was andere denken. Das ist auch so. Trotzdem bin ich kein dummer Mensch.

Ich weiß, wie man sich in einigen Situationen zu kleiden hat. Auf Feiern, Festen und zu besonderen Gottesdiensten frage ich immer nach dem Dresscode. Dann überlege ich mir, wie ich Menschen erreichen kann und ihnen mögliche Hindernisse beiseite Räume. Gleichzeitig sehe ich aber auch alle anderen Leute um mich herum.

Wir haben unterschiedliche Bedürfnisse. Auch haben wir unterschiedliche Vorlieben. Das ist alles total in Ordnung. Gott hat uns bunt und unterschiedlich gemacht. Mal geht es drum, dass wir uns annehmen und freundlich bleiben. Mal ist es ganz wichtig, eine schnurzpiepegal-Haltung einzunehmen.

Finde deinen Stil und geh deinen Weg. Entdecke, wer du wirklich bist. Umgebe dich mit echten Freunden! So wirst du merken, dass das, was andere denken, immer kleiner in deinem Kopf wird.

Weiteres zum Lebenskünstler:

was andere denken Pinterest
  1. Von einem Zeugnis sprechen Christen, wenn sie etwas aus ihrem eigenen Glauben weitergeben.
  2. Affiliate Link / Werbung
  3. Wenn du jemandem auf Grund seiner Kleidung nicht zuhören kannst, liegt das nicht an der Kleidung. Es liegt an einem Problem, einer Engführung, einem Zwang in deinem Kopf. Das ist (d)ein geistliches Problem! Zur Not kannst du doch einfach die Augen schließen. Denk darüber mal in Ruhe nach…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.